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  • Tom Kareto

Wie kommt man eigentlich dazu...

Aktualisiert: Juni 26

auf einem Schiff zu arbeiten?

Auch diese Frage hört jedes Crewmitglied gefühlt täglich. Um es vorweg zu nehmen: Wie schon einmal geschrieben, es ist nicht immer nur spaßig. Und es kann auch zum Nachteil werden, dazu später mehr.

Alle, die gerne auf einem Schiff arbeiten wollen, sollten sich zu allererst die Frage stellen ob sie bereit sind für mehrere Monate die gewohnte und geliebte Umgebung zu verlassen. Jeder Charakter ist anders, der eine kann damit besser umgehen, der andere weniger. Zu 90% arbeiten Personen auf den Schiffen dieser Welt, die zur ersten Gruppe gehören. Meist ist die Lust auf Abenteuer der Antrieb, das Projekt Kreuzfahrtschiff in Angriff zu nehmen. In manchen Fällen auch die berufliche Situation. Lieber 4 Monate einen Job haben als gar keinen. Diese Einstellung, arbeiten zu wollen, ist auch ein "must have. "


Wenn die Entscheidung dann getroffen wurde auf dem Schiff zu arbeiten, sucht man sich eine Reederei aus. Da spielen ganz oft persönliche Vorlieben und natürlich auch gekonntes Recruiting-Management seitens der Reedereien eine Rolle. Junge, talentierte, verantwortungsbewusste, freiheitsliebende und abenteuerlustige Menschen werden gesucht. Auf Grundlage der bereits abgeschlossenen Ausbildung oder des Studiums wählt man den Job ähnlich an Land aus und startet mit dem Bewerbungsprozess. Bis hierher ist noch alles bekannt. Bekommt man eine Stelle angeboten, wird es nun speziell und anders als an Land.


In den meisten Fällen bekommt man einen ersten Vertrag über 4-6 Monate angeboten, je nach Einsatzbereich. Während dieser Zeit ist man auch ganz normal bei der Reederei angestellt. Aber Vorsicht, vergesst nicht, Euch 3 Monate vor Ablauf des Vertrages beim Arbeitsamt zu melden! Denn mit Ablauf des Vertrages seid Ihr arbeitslos. Egal in welcher Ecke der Welt Ihr Euch gerade befindet, dieser Zeitpunkt sollte nicht vergessen werden (zumindest für Crew, die ihren Hauptwohnsitz in Deutschland hat), ansonsten kann es ein böses Erwachen geben. Gott sei Dank hat die Agentur für Arbeit auch inzwischen die Macht des Internets für sich entdeckt und bietet eine Arbeitslosmeldung auch online an. Bewusst schreibe ich nicht arbeitssuchend, denn wenn man nicht gerade den größten Mist baut, hat man den nächsten Vertrag vor Ablauf des ersten schon in der Tasche. Die Übergangszeit zwischen den Verträgen ist man jedoch nicht versichert und man hat durch die Reederei keine Einnahmen.


Es geht los...Juhuuu



Nasser Sack am Heliseil - (c) Tom Kareto

...Hm noch nicht so ganz. Vor dem ersten Aufstieg hat der Gesetzgeber für alle Seefahrer (und das will man ja nun werden) ein verpflichtendes Sicherheitstraining gesetzt. Meist eine Woche Laufzeit, voller Theorie aber auch interessanten, praktischen Übungen wie Helikopterbergung, Evakuierung, Löscheinsatz und ganz wichtig: Crowd Management. Stellt Euch nur die Seenotrettungsübung vor und da stehen Leute vor Euch die sich nicht durchsetzen können. Halleluja..

Es gibt Reedereien, die diese Kursgebühren unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen, heißt man muss mindestens 12 Monate danach für die Reederei im Einsatz sein. Andere strecken das nicht vor, denn diese erworbenen Zertifikate können natürlich weltweit auch für andere Reedereien genutzt werden. Sollte das der Fall sein, lohnt sich auf jeden Fall die Nachfrage beim Arbeitsamt, in bestimmten Fällen übernimmt dieses die Kosten auch.


Jetzt geht´s los..Juhuuu


...Immer noch nicht wirklich. Hat man das Safety-Training bestanden kommen die Arztbesuche an die Reihe. Besser gesagt die weiteren. Die deutsche Seediensttauglichkeits-Untersuchung sollte man vor Beginn des Safety-Trainings machen. Besteht man die nämlich nicht, kann man sich das Safety-Training sparen. Die deutsche Seediensttauglichkeit erhält man für 2 Jahre. Eine lange Zeit, in der viel passieren kann. Die meisten Reedereien fordern deshalb noch zusätzlich eine Seediensttauglichkeitsuntersuchung gemäß des Flaggenstaats unter dem die Reederei ihre Schiffe betreibt. Diese darf jedoch nicht älter als ein paar Tage vor Aufstieg sein. In den meisten Fällen max. 10 Tage. Wenn man nun alle Unterlagen beisammen hat, dann kann man sicher sein - man ist einigermaßen gesund und kennt sich zumindest für das erste Mal einigermaßen aus.


Jetzt geht's los...Juhuuu

Stimmt, nun steigt man auf. Und was ist das erste wenn man an Bord kommt? Richtig, man macht die ganzen Sicherheitstrainings noch einmal - allerdings nur die Theorie. Denn jedes Schiff hat seine Eigenheiten, andere Wege usw. In einem früheren Beitrag habe ich beschrieben, wie so ein erster Tag abläuft, HIER könnt Ihr das noch einmal nachlesen.


und dann ist's auch schon wieder vorbei..

..der Abstieg war schwer, man lässt neu gewonnene Freunde zurück, man will eigentlich gar nicht gehen. Ich kenne kaum jemanden, der nach dem ersten Vertrag sagte: So das war's, nie wieder..Gibt es auch, klar. Dann hat denjenigen aber das Virus Schiff nicht befallen. Soll auch vorkommen, hörte ich. :)


Gehen wir im jetzigen Beispiel davon aus, dass noch ein weiterer Vertrag gefahren werden soll. Der Aufstieg ist in 6 Wochen ab Abstiegsdatum vom ersten Vertrag. Zurück in Deutschland beginnt mit Tag 1 der Kampf mit der deutschen Bürokratie und deren Angestellten, meist Beamten. Nein, es sind nicht alle so, denn mindestens 3 Personen die diesen Blog lesen, sind Beamte und da muss ich vorsichtig sein, was ich schreibe. :))

Ich persönlich hatte bisher aber immer das Glück, dass sich meine zuständigen Sachbearbeiter null Komma null mit dem Thema Seefahrerverträge auskannten. Man kann davon ausgehen, dass man grundsätzlich eine Sperrzeit aufgedrückt bekommt, die allerdings gar nicht gerechtfertigt ist. Natürlich bekommt man ein Gehalt für den Job und gegen Ende in den meisten Fällen auch eine Abschlagszahlung für geleistete Arbeit an Sonn- und Feiertagen, Überstunden, Nachtzuschläge usw. Nicht vergessen, da auf dem Schiff arbeitet man 24/7.

Das ist Herrn oder Frau Beamte jedoch nicht bekannt. Die gehen von einer 35 Std. Woche aus, so wie sie sie haben. Und sämtliche Brückentage frei, Freitags um 13:00 Uhr zu Hause und am Montag mit Gleitzeit um 09:00 Uhr wieder ins Amt. Die Problematik ist, dass es zu diesem Rand-Thema keine Standards gibt. Wobei es sie gibt, allerdings darf Herr/Frau/Es Beamte ja auch frei entscheiden. Nicht wenige Crewmitglieder sind mit diesem Thema sogar schon zum Arbeitsgericht gezogen und haben die Arbeitsagentur verklagt.

Dadurch ergeben sich dann die weiteren Probleme, man muss zusehen sich schleunigst privat zu versichern. Passiert sonst etwas in der Zeit bis zum nächsten Vertrag kann es teuer werden, wenn man dann für Arztrechnungen selber aufkommen darf.

Für denjenigen, der nach 6 Wochen wieder aufsteigt, ist diese Zeit fast mehr Stress als Urlaub. Bis ich meiner Sachbearbeiterin damals klar gemacht habe, dass sie mir keine Jobangebote von der Gärtnerei oder ähnliches schicken brauchte, da ich ja in 5 Wochen wieder aufsteige, vergingen 3 Wochen. In denen ich per Gesetz nicht einmal verreisen durfte, da ich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen muss. Anyway, die Arbeitsämter in Küstennähe kennen sich da meist besser aus und sind flexibler als die Ämter in Gelsenkirchen, die nur Pfützen kennen und kein Meer. Nach 6 Wochen Pause darf man dann Gott sei Dank wieder an Bord. Da ist wenigstens der ganze Mist geregelt.


In dem jetzigen Beispiel gehen wir davon aus, dass der Mitarbeiter wieder an Land arbeiten möchte und die Kreuzfahrt hinter sich lässt. Jetzt wird es interessant. In den letzten Jahren habe ich mit mehreren Personalverantwortlichen über das folgende Thema gesprochen und verschiedene Meinungen darüber gehört. Meine Frage war ganz einfach:

Würdet Ihr einen Mitarbeiter bevorzugt einstellen, der auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet hat oder eher nicht?


Durchweg alle Personaler aus der Tourismusbranche sagten: Sofort!

Viele Personaler aus anderen Branchen sagten: Eher nicht.


Warum ist das so? Jetzt komme ich zu dem Punkt, den ich oben als nachteilig beschrieben habe. Im F&B Bereich und im Tourismus ist bekannt, dass es keine Feiertage und ähnliches gibt. Die Mitarbeiter vom Schiff sind daran gewöhnt auch mal mehrere Wochen hintereinander ohne freien Tag Vollgas zu geben. "Wat mut dat mut." Die sind in jedem Tourismus- / Event- / Gastrobetrieb gerne gesehen.


Möchte man nach dem Schiffs-Job jedoch wieder in seinen eigentlichen Beruf zurück, hat man es schwerer als andere Bewerber. Ich kenne Banker, die für zwei Verträge als Animateur Schiff gefahren sind und keine Anstellung mehr bekommen haben. Falls doch, erst nach langen Bewerbungskämpfen. Man gilt als "versaut". Es passt nicht in die typische Karriere egal welchen Berufes, wenn man sich 12 Monate in jungen Jahren für andere zum Affen macht. Außerdem ist es nicht gut jemanden zu nehmen, der diese andere Arbeitseinstellung hat als die Kollegen. Und nicht bei Überstunden meckert.

Das ganze hier denke ich mir nicht aus, so erschreckend wie das klingt. Es sind Originalaussagen von Personalern.


Ihr seht, auch bei der Kreuzfahrt ist nicht alles Gold was glänzt. Wenn man aber der Typ Mensch ist, der mit oben beschriebenen Dingen klarkommt: Dann bewirb dich heute noch für eine Position Deiner Wahl bei den Reedereien dieser Welt und erlebe die beste Erfahrung Deines Lebens!


Glaubt mir, das kann einem keiner mehr nehmen.


In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend!


PS: Nicht vergessen, bitte liked meine Seite Tom Kareto auf Facebook :) Dankeeee


LG Euer Tom





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