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  • Tom Kareto

Shantychor und Junggesellenabschied

Wenn man so lange auf einer Tour unterwegs ist und sich auch durchreisende Gäste während der ganzen Zeit an Bord befinden, wollen wir natürlich auch etwas außergewöhnliches bieten. Da man ja ausreichend Zeit hat, bietet sich ein Gästechor richtig an. Jetzt denken viele am Anfang - oh Gott wie langweilig. Aus Erfahrung kann ich Euch aber sagen, dass sich dort eine wahnsinnige Gruppendynamik entwickelt und manche Teilnehmer fahren bis heute noch zusammen in den Urlaub.


Mein Plan war, diesen Gästechor am Anfang der Reise zu besetzen. Bei der Willkommensparty der "Weltenbummler-Gäste", also diejenigen, die die komplette Transreise an Bord sind, fing ich also an "Klinken zu putzen". Man kann sagen, jede 2. Antwort ist - ich kann nicht singen. Das ist im Chor eigentlich egal, dann muss man etwas leiser sein als die anderen, es geht ja um den Spaß an der Sache. Teilweise musste ich meine ganze Überredungskunst einsetzen, gegen Ende hatte ich dann aber meine knapp 35 Teilnehmer dabei.

Geplant hatte ich die Proben immer am Seetag, es sollte ja niemand etwas verpassen. Beim ersten Treffen habe ich alles aufgefahren was an Motivationshilfe vorrätig war, es waren einige Flaschen Sekt die dort über den Tresen gingen. Und es hat geholfen. Vor mir standen schon nach der ersten Probe nur noch Profisänger. Was die Teilnehmer zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten - Sie sollten das natürlich auch an einem Abend vor den anderen Gästen performen. Diese Info habe ich so lange zurückgehalten bis ich der Meinung war das die Sänger nun das Selbstbewusstsein haben um diese Info zu verkraften :)


Wir brauchten dank des sehr erfahrenen Pianisten an Bord nur 3 Proben und das Programm stand. Dann war es soweit, die Kiez-Party stand auf dem Pooldeck an und angekündigt war ein Special-Act. Anfangs haben nur die Offiziere auf der Bühne die bekanntesten Shantys zum Besten gegeben, dann kam unser Gästechor dazu und hat zusammen mit den Schiffsoffizieren Gas gegeben. Es war ein Wahnsinnsmoment, alle Gäste hatten tierischen Spaß und genau darum ging es.



Spaß hatten aber auch noch andere und zwar die tollsten Kollegen aller Zeiten aus dem Bereich Kinderbetreuung. Da der Shantychor ja stilecht dargeboten werden soll, wurde auf dem Pooldeck alles auf "Kiez" dekoriert. Die bekannteste Partymeile der Welt aus Hamburg bietet ihren eigenen Charme und genau den wollten wir darstellen. Wie Hanna in einem Beitrag schon einmal geschrieben hat, laufen dann dort auch alle Charaktere herum die einem auf der Repperbahn begegnen. Meist muss man die Kollegen gar nicht lange bitten um dort teilzunehmen, denn an dem Abend ist "fast" alles erlaubt :)

Die Mädels von der Kids Betreuung haben sich für den Abend richtig ins Zeug gelegt.

Sie entschieden sich einen typischen Junggesell(I)nnenabschied zu spielen. Total irre, sie fertigten extra T-Shirts mit Aufschriften an, alle trugen das gleiche, der Bauchladen der "Braut" war voller Kondome, Gummibärchen usw. Und was soll ich sagen, sie spielten sooo gut, dass selbst ich teils dachte die "Braut" heiratet bald wirklich. Genial war auch ihre Geschichte: Sie haben die Reise nur für diesen Abschied gebucht. Jetzt, wenn ich so darüber schreibe, merke ich erst wieder was die Mädels da auf die Beine gestellt hatten.Sie waren das pure Entertainment. Fun fact am Rande: Am nächsten Tag lief ich durch das Schiff und ging zwei Frauen hinterher. Die beiden redeten über den Vorabend und waren völlig geschockt darüber, das so ein JGA so auslassend gefeiert wird. "Vor allem, wie alt wird die sein? Maximal 23. Wahrscheinlich hat ihr Vater die Reise gezahlt und die feiern hier als gäbe es kein morgen..Anstatt zu heiraten soll sie doch erstmal etwas arbeiten." <- Das war der O-Ton. Es ist immer wieder interessant, was so alles spekuliert wird, alleine durch Außenwirkung.


Habe ich das richtig gestellt? Nein, denn das zeigte, die Mädels waren so überzeugend, dass selbst am nächsten Tag noch darüber geredet wurde. Ich bin in mein Büro gegangen und habe den Mädels gesagt wie stolz ich auf sie bin..es war ein absolut genialer Job. Wenn Ihr das hier lest: Danke nochmal..:) Und ich hoffe ihr habt noch nicht geheiratet bisher :)


Zurück zum Chor:


Wie das immer so ist, man bereitet so einen Moment lange vor, geht zu Proben und Besprechungen und die Sache ist dann in 30 Minuten vorbei. Diese Erfahrung machten nun auch die Chorteilnehmer. Sie wollten plötzlich noch mehr. Diejenigen, die vorher richtig nervös waren, kamen zu mir und fragten ob man das noch einmal wiederholen kann.

Da eine Wiederholung des gleichen Programms für mich aber nicht in Frage kam, entschieden wir uns für eine Überraschung.


Während einer Live-Moderation des Kapitäns im Theater saß der komplette Chor verteilt im Theater und ging auf ein Stichwort plötzlich auf die Bühne und performte "i am Sailing" von Rod Steward. Es war ein absoluter Gänsehaut Moment. Diesen Song wiederholte der Chor an dem Abend noch einmal auf der großen Bühne am Pooldeck.

Da es der letzte Reiseabschnitt war, waren einige der Teilnehmer den Tränen nahe. Und genau darum geht es: Emotionen. Nichts freut mich mehr, wenn die Gäste der Reise an genau diese Momente denken und sagen: Das will ich wieder. Ich übrigens auch!! Und ich freue mich auf viele weitere Projekte dieser Art mit den tollsten Gästen und Kollegen der Welt :)




In diesem Sinne


LG Tom

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