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  • Tom Kareto

Seegang...


(c) by Tom Kareto

gehört zur Kreuzfahrt dazu wie die Vielfalt des Essensangebots. Wobei sich gerade die beiden Dinge oft nicht vertragen. Im Normalfall ist ja "leider" ziemlich wenig Seegang. Ich persönlich mag es, wenn das Schiff ordentlich schaukelt. Allerdings auch nur ab und zu mal, denn richtiger Seegang macht vor allem eins: Müde. Ständig gleicht der Körper aus, die Wellenbewegungen erinnern unterbewusst an die Kinderwiege, die die Eltern oft in Schwingungen versetzten damit man endlich einschläft und sie nicht anplärrt.

Diese Erfahrung kommt bei Seegang wieder hoch. Das ist super wenn man dann im Bett liegt - diese negativen und positiven G-Kraft Bewegungen sind ein Einschlafturbo. Zumindest bei mir. Ich kenne aber auch andere, die Seegang überhaupt nicht mögen.


Diejenigen die am meisten Probleme mit "richtigem" Seegang haben machen einen Fehler - sie essen nichts oder zu wenig. Gerade das ist in der Situation jedoch kontraproduktiv. Der Magen sollte was zu tun haben. Wenn einem dann immer noch schlecht ist, bleibt einem noch der Sprung in den Pool. Wasser gleicht die Bewegungen bekanntermaßen aus. Der Blick sollte dann allerdings nicht auf den auf und ab wandernden Horizont gerichtet sein. Denn das sagt dem Kopf wieder das man in Bewegung ist :)


Jetzt sollte man meinen, dass alle Mitarbeiter auf Schiffen absolut seefest sind. Das gilt vielleicht für die Nautiker, Maschinisten usw. die alle schon jahrelang zur See fahren. Aus dem Hotelbereich gibt es genug Crewmitglieder die mit Seegang auch ein Problem haben.

Und in einem Fall ging selbst mir es richtig dreckig. Wir mussten vor einem Sturm davonfahren um in sichere Gewässer zu kommen. Nicht falsch verstehen, es befand sich nie jemand in Gefahr, wären wir geblieben, dann schon.


Wir fuhren also vom Starthafen los und waren statt 2 Tage ganze 6 Tage hintereinander auf See. Immer auf der "Flucht" vor dem Sturm. Und dieser Sturm gab nicht auf. Die Wellen waren nach Tag 3 einfach nur noch nervig, die Gäste und die Crew war angehalten die persönlichen Gegenstände wie Ausweise, Bankkarten usw. ständig bei sich zu führen - für den Fall der Fälle das man in Seenot geraten sollte.

Nach der Ansage durch den Kapitän war dann allerdings auch meine Toleranzgrenze erreicht und ich wünschte mir den Ententeich zurück, auf dem wir sonst immer fahren.


Seitens der Reederei wurde ein absolut geniales Krisenmanagement durchgeführt. Vor der Abfahrt durften die Gäste entscheiden ob sie an Bord bleiben wollen oder ob sie in den nächsten Hafen geflogen werden wollen. Diejenigen, die sich entschieden zu bleiben, bereuten das aber auch am 2. Tag. Es war echt schlimm. Aber: das Schiff ist definitiv seetauglich, das konnten wir da ganz genau testen. :)


Für alle die relativ schnell "Seekrank" werden: Essen und ganz normal weitermachen. Das ist reine Kopfsache. Lenkt Euch ab, dann wird das ganz schnell wieder. Diese ganzen Pflaster und was es da alles gibt sind nicht die beste Wahl. Bei manchen Leuten ist Seegang übrigens nicht immer Seegang, oft sind auch die verzehrten Cocktails schuld an der schwankenden Bewegung. Die wiederum können auch helfen, echten Seegang auszugleichen. Solltet Ihr mal ausprobieren :)


Ich hoffe, dass wir bald wieder Seegang haben werden: Denn das bedeutet wir befinden uns auf einem Schiff. Aktuell ist das ja bekanntlich nicht möglich. Diese Situation trifft uns alle, auch die Reedereien. Und genau aus diesem Grund möchte ich kurz noch ein weiteres Thema ansprechen. Jeden Tag lese ich in verschiedenen Gruppen Beschwerden über das Rückzahlungsverhalten seitens der Reedereien.


Leute, ganz ehrlich, ich verstehe ja, dass jeder sein Geld zurück haben möchte wenn seine Reise abgesagt wurde. Wir reden hier allerdings nicht von 20 Gästen sondern von tausenden. Da muss ein e Rückzahlung geordnet stattfinden. Und diese Situation hatte noch niemand, keine Software der Welt hatte eine "Pandemie-Sofort-Rückzahlung" Funktion. Außerdem müssen die ganzen Buchungen quasi rückwärts abgewickelt werden - die meisten Buchungen für Kreuzfahrten finden über ein geschlossenes System statt, die packt kein Mensch mehr an, sonst wären die Fahrten noch teurer.

Jetzt, in dieser Situation muss jede einzelne Buchung von Mitarbeitern angepackt werden. Das ist doch klar, das sowas dauert. Jeder hat bisher sein Geld wiederbekommen wenn die Leistung nicht geboten werden konnte. Auch wenn es dauert.


Persönlich bekomme ich eine riesen Halsschlagader wenn ich dann in den Foren oder Gruppen lese: Wer ist hier Anwalt?? Die bringen in dieser Situation auch nichts - außer das die Beschwerde noch mehr Arbeitszeit in Anspruch nimmt als die Rückzahlung. Denn dann geht der ganze Vorgang wie in jedem anderen Unternehmen in die Rechtsabteilung und wird aus dem laufenden Prozess herausgenommen. Soweit sollte jeder denken können. Die Reedereien wollen keinen Gast verärgern, immerhin wollen auch die, das die Gäste zufrieden wiederkommen.


Zu guter letzt: Wenn man dann einen Mitarbeiter der Reederei am Telefon hat - bringt es auch nichts den anzuschreien. Die können da genauso wenig für wie alle anderen. Sie machen Ihren Job im Sinne des Gastes.


Jeder zieht sich den Schuh an, der ihm passt. Es gibt auch viele Gäste die Verständnis zeigen. Dieser letzte Teil richtete sich an genau die, die kein Verständnis haben. Vielleicht hilft es ja :)


In diesem Sinne


LG Euer Tom

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