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  • Stefanie Franke

Oh du besinnliche Weihnachtszeit..

Weihnachten, die Zeit des Jahres, welche die meisten Menschen gern im Kreise ihrer Liebsten verbringen möchten. Ein Großteil von uns ist am Heiligabend bei der Familie, es gibt Kartoffelsalat und Würstchen, Geschenke werden ausgepackt und der Duft von Glühwein, Plätzchen und des Tannenbaumes liegen in der Luft. Draußen schneit es im Idealfall und an den folgenden Tagen werden die Verwandten besucht, es gibt die Weihnachtsgans und man geht von einem Essen in das nächste fließend über. Doch es gibt Menschen, welche diesem sozialen Stress entfliehen wollen, andere möchten nicht allein sein an den Feiertagen und wieder andere einfach der Kälte des deutschen Winters entfliehen. Und einige dieser Menschen trifft man dann auf Kreuzfahrtschiffen an.


Ich verbrachte die letzten 2 Jahre auch an Bord, obwohl ich Weihnachten zu Hause liebe. Vor allem in der Vorweihnachtszeit laufe ich auf Hochtouren auf; ich bin die Erste, die Spekulatius und Stollen isst, allen einen Ohrwurm mit „Last Christmas“ verpasst und am liebsten schon Anfang November die Weihnachtsdekoration aufstellen möchte. Doch es hat sich so ergeben zu dieser Zeit des Jahres viele hunderte Kilometer weit weg von all dem zu sein und es war nicht die schlechteste Erfahrung.


In meinem ersten Jahr waren wir noch in Europa und selbst in Spanien und Portugal wird es im Winter etwas kühler. An Bord gibt es ab Anfang Dezember Dominosteine, Spekulatius und Stollen und zu jedem Advent wird ein Adventssingen im Theatrium veranstaltet, für diejenigen welche auch abseits von zu Hause das Weihnachtsgefühl haben möchten. Natürlich kann man dem auch aus dem Weg gehen und auf dem Pooldeck Sonne tanken, ein Cocktail schlürfen oder Shuffleboard spielen. Auch wurde der ein oder andere Weihnachtsmarkt an Bord veranstaltet mit Glühwein, Weihnachtssingen der Offiziere und dem ein oder andern Stand um die letzten Geschenke kaufen zu können.

Doch selbst für mich war es schwer richtig in Weihnachtstimmung zu kommen, zwar lief die Playlist mit Hits von Michael Bublé und Mariah Carey rauf und runter, doch wenn man Mitte Dezember noch im Mittelmeer baden geht und Eis isst, hilft auch das kaum noch.

Ein Teil der Geschenke

Bei mir änderte sich dies erst am 22. Dezember. An diesem Tag packte ich mit Kollegen aus verschiedenen Departments die Geschenke für die Gesamte Crew ein, das waren über 600 Schleifen, die wir schnürten, aber es war genau das, was für mich Weihnachten aus macht, gemeinsam Zeit zu verbringen, sich unterhalten und Menschen mit einer Kleinigkeit glücklich machen. Auch wurden mehrere Weihnachtsbäume aufgestellt und geschmückt und es gab eine kleine Weihnachtsfeier im Wellness-Bereich für uns mit Plätzchen und Weihnachtsliedern, somit war für mich auch endlich klar, es ist Weihnachten.


Am Heiligabend waren wir auf See, somit konnte man den ganzen Tag an einigen Ecken des Schiffes die Stimmung aufnehmen und sie auch unter den Kollegen gut verbreiten. Wir aßen als Team zusammen zu Abend - nein keinen Kartoffelsalat – und saßen danach noch kurz beisammen um unsere Wichtelgeschenke zu verteilen. Später rief noch einmal kurz die Pflicht, eine Weihnachtsgala mit den Gästen, bei welcher „Stille Nacht, heilige Nacht“ in vielen verschiedenen Sprachen gesungen wurde. Dieser Moment bereitete mich Gänsehaut, vor allem als ich sah, dass Gästen, aber auch Kollegen Tränen vor Rührung in den Augen standen, das war wirklich besonders. Im Anschluss daran ging es dann etwas unkonventioneller weiter, es ging zur Weihnachts-Party in die Bar. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich am Heiligabend feiern war, aber es fühlte sich richtig an, den Tag mit der Schiffsfamilie zusammen zu verbringen, dankbar zu sein, dass man dies alles erleben darf und das Leben zu genießen. Vielleicht wollte sich der ein oder andere auch ablenken von den Gedanken, dass man eben gerade nicht zu Hause mit der Familie vor dem Baum sitzt und Weihnachtsfilme guckt, aber egal was der Grund dafür war, wir waren glücklich und zufrieden.

Am nächsten Tag meldete ich mich mit einem Videoanruf bei meiner Familie. Ich saß gerade während einer Pause auf der Radtour am Strand von Malaga und hielt die Füße in das Wasser und sie saßen alle beisammen und aßen die Weihnachtsgans. Natürlich überkam mich auch ein wenig Heimweh, aber dennoch wollte ich nicht tauschen.


Eis, 32°C & Deko

Ähnliche Gefühle hatte ich letztes Jahr, doch die Stimmung war eine andere, denn ich war in einem ganz anderen Teil der Welt unterwegs, in Asien. Auch hier war meine geliebte Weihnachts-Playlist mit am Start, ebenso wie die Spekulatius und Lebkuchen. Doch man kann sich gut vorstellen, dass bei über 30 °C es sehr schwer ist an Weihnachten zu denken. Wenn man „All I Want For Christmas Is You“ am Fuße des KL-Towers in Kuala Lumpur bei bestem Wetter spielt, dann erntet man entweder ein Schmunzeln oder ungläubiges Kopfschütteln von den Gästen.

Shoppingcenter in Singapur

Aber auch die Asiaten selber wollen etwas Weihnachtsstimmung verbreiten und so findet man in Singapur viel Weihnachtsdekoration, an jeder Straßenecke blinkt ein Rentier oder winkt ein Weihnachtsmann oder die Reiseleiter in Thailand tragen Weihnachtsmannmützen und Sandalen.


Bangkok an Weihnachten

Am 24. Dezember selber waren wir in Laem Chabang, dem Hafen von Bangkok und einen Tag vorher kamen die neuen Gäste für die Weihnachts- und Silvesterreise an. An diesem Tag begleitete ich einen Ausflug nach Bangkok, unter anderem ging es zum Goldenen Buddha und in den Königspalast. Da stand ich nun, mit meinen Gästen, welche sich noch an das Klima gewöhnen mussten, da sie aus dem kalten Deutschland kamen, inmitten von tausenden chinesischen Touristen und ihren Regenschirmen, mit welchen sie sich vor der Sonne schützen wollten und Weihnachten war für mich so weit weg, dass ich nicht einen Gedanken daran verschwendete. Wer also ein absoluter Weihnachts-Grinch ist, dem empfehle ich, verbringt diese Feiertage an Bord eines Kreuzfahrtschiffes am andern Ende der Welt.



Doch nachdem wir zurück an Bord gekommen waren, die Seenotrettungsübung erfolgreich absolvierten und den Hafen verließen, kam die Zeit des Herausputzens und Vorbereitens auf die Weihnachtsgala. In dem Moment, als der Kapitän seine Rede hielt und im Anschluss wieder gemeinsam gesungen wurde, war auch dem letzten im Theatrium klar, es war Heiligabend. Genau wie im Jahr zuvor überkam mich das Gefühl der Demut und man konnte das ein oder andere feuchte Auge in der Menge ausmachen. Natürlich gab es auch wieder im Anschluss eine Party, doch diesmal war es warm genug um diese auf das Pooldeck zu verlagern und bei den besten Hits unter dem Sternenhimmel zu tanzen und das Leben zu feiern.

Das gemeinsame Wichteln vertagten wir auf den ersten Weihnachtsfeiertag, dieser fühlte sich auch tatsächlich etwas mehr nach dem Fest der Liebe an. Es gab für uns Besatzung Ente und Rotkohl zum Mittag und am Abend kam das Team in gemütlicher Kleidung zusammen, um die Geschenke auszutauschen, Weihnachtslieder zu hören und einfach die wenige Zeit die man hat, wenn man auf einem Kreuzfahrtschiff arbeitet mit der Ersatzfamilie zu verbringen.


Auch wenn es etwas ganz anderes war, diese Zeit des Jahres so weit weg von den Lieben zu Hause zu verbringen, möchte ich diese Erfahrung nicht missen. An solchen Tagen wächst man auf dem Schiff noch enger zusammen, denn jeder vermisst etwas oder jemanden, aber man hat seine Schiffsfamilie und das große Privileg die Welt entdecken zu dürfen.



In diesem Sinne wünsche ich euch und euren Liebsten noch eine schöne Vorweihnachtszeit und ein wundervolles Weihnachtsfest, egal wie ihr es verbringt, vor allem aufgrund der aktuellen Situation. Macht das Beste daraus, genießt die kleinen Dinge und bleibt gesund!


Eure Steffi

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