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  • Stefanie Franke

Meine Metropolen

Es geht weiter. Nicht nur, dass ich endlich mal wieder zum schreiben komme, sonder auch die Kreuzfahrtbranche startet wieder vorsichtig und dies macht mich sehr glücklich. Da denkt man doch gern an die Zeit zurück, als man selber noch an Bord war und die Welt bereisen konnte.


Jetzt wo auch langsam der Herbst sich hier in Deutschland ausbreitet, fühlt es sich für mich schon wie Winter an. In den letzten 2 Jahren gab es diese Jahreszeit für mich fast gar nicht. Die Tage an denen es unter 10°C kalt war, kann ich an meinen Händen abzählen. Vor allem während meines ersten Vertrages, bei welchem wir in Europa unterwegs waren, gab es mehr Tage, an denen es schon etwas frischer war. Vor allem der November und der März in Westeuropa (England, Frankreich, Belgien und den Niederlanden) war so eine Zeit. Da war man froh, wenn es nicht geregnet hat und Hand- und Fußwärmer waren mein Begleiter. Abgesehen vom Wetter hatte ich auch so meine Vorurteile gegenüber der Metropolentour. Als Bikingguide war es nicht so einfach, denn entweder blieb man in den Hafenstädten, die auf den ersten Blick nicht allzu viel zu bieten haben oder man fuhr in die Metropolen, was aber auch bedeutete, dass man einige Stunden im Bus verbringen würde um sich dann durch den Verkehr der Großstädte zu kämpfen.


Der erste Hafen der Tour war Southampton, eine englische Stadt die dem einen oder anderen vielleicht ein Begriff sein könnte, denn von dort aus startete am 10. April 1912 die Titanic auf ihre erste, aber auch leider letzte Reise. Natürlich sind die Hotels, in welchem die Gäste vorher schliefen, der Pub, in welchem ein Großteil der Besatzung rekrutiert wurde und auch das Museum mit der Titanic-Ausstellung beliebte Anlaufpunkte für Touristen.

Doch die Stadt hat neben ihrem englischen Charme und dieser Geschichte noch etwas anderes zu bieten – den New Forest Nationalpark.

Einen über 500 m² großen Park in welchem die New Forest Ponys

beheimatet sind und frei herumlaufen. Neben der schönen Radtour durch diesen Park gab es auch andere tolle Ausflüge, wie zum Beispiel nach Stonehenge und Salisbury

(für mich ein must see in der Region, ich mag aber auch Steine :D) oder in die Harry Potter Studios bei London, aber auch die Hauptstadt an sich bietet viel Sehenswertes.

Mein *Ironie an* liebster Ausflug war natürlich der in das Peppa Wutz Land, dazu brauche ich glaube nichts weiter zu sagen. (Wer es nicht kennt, sollte es googlen, vor über 20 Jahren hätte es mich vielleicht begeistert)

Kulinarische Highlighta: Tacos bei Taco Bell und natürlich der englische Tee.


Weiter geht es nach Le Havre, die Küstenstadt in der Normandie, welche vor allem durch farbige Betonbauten des Architekten August Perret bekannt ist und dessen Stadtkern sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, begeisterte mich nicht von Anfang an. Dadurch das über 70% der Stadt im 2. Weltkrieg zerstört und innerhalb von nicht einmal 10 Jahren wieder aufgebaut wurde, sieht dort alles ziemlich gleich aus.

Aber bei genauerer Betrachtung (bei mir hat es so 3-4 Anläufe gebraucht) gibt es auch hier das eine oder andere Highlight zu sehen. Zum Beispiel die St. Joseph Kirche. Von außen betrachtet sieht sie genauso aus wie alle andern Gebäude der Stadt, doch von Innen bei Sonnenschein kommen die über 12.000 farbigen Glasfenster richtig zur Geltung.


Auch die Bunkeranlagen des Atlantikwall sind teilweise noch gut erhalten und man hat von dort aus einen guten Ausblick auf das Meer und kann sich ansatzweise vorstellen wie es damals gelaufen sein muss. Kurz vor Ender der Tour durfte natürlich ein Strandstopp nicht fehlen, bei welchem wir aber fast immer Crêpe gegessen und Kaffee getrunken haben, um natürlich die kulinarischen Vorzüge des Landes zu genießen, die Füße habe ich aber auch einmal in das Meer gesteckt.


Desweiteren gab es hier natürlich noch mehr Highlights in der Umgebung, neben der Hauptstadt Paris mit ihren unzähligen Sehenswürdigkeiten (auch hier sind wir natürlich Rad gefahren und ich konnte die Notre-Dame de Paris vor ihrem Brand noch besichtigen) sind die anderen kleinen Städte der Normandie, wie Honfleur und Rouen, beliebt.


Während meiner letzten Reise begleitete ich noch meine Wunschausflug, das Wandern auf den Kreidefelsen von Étretat, einfach nur traumhaft.


Kommen wir zum nächsten Hafen Zeebrügge/Brügge. Dort habe ich ja schon über das Wetter berichtet, aber die Stadt Brügge hat auch anderes zu bieten. Die schönen mittelalterlichen Gebäude und die kopfstiengepflasterten Straßen, durchzogen von vielen Kanälen geben der Stadt ihren eigenen Charme. Die Stadt, bzw. das Land ist aber auch für andere Sachen, vor allem in kulinarischer Hinsicht bekannt – belgische Waffeln, Schokolade und Pommes – natürlich habe ich alles davon kosten müssen.

Da wir ja mit dem Fahrrad unterwegs waren, hatte man auch nicht ein allzu schlechtes Gewissen, wenn man bei der Besichtigung des Schokoladen-Museums doch das ein oder andere Stück naschte oder sich zum Mittag nicht nur eine Portion Pommes, sondern noch eine Waffel als Nachtisch gönnte. Für mich als Nachkatze war es immer sehr schwer einen Bogen um die ganzen Belgischen Pralinen zu machen und es funktionierte auch nicht immer, aber die sind eben nun mal super lecker. Tatsächlich habe ich außer Brügge selber und der Stopps auf Radtour nicht viel mitbekommen, aber natürlich ist die Hauptstadt Brüssel einen Besuch wert und ich denke Belgien hat noch Mehr zu bieten.


Der letzte Hafen der Tour – Rotterdam – mein persönliches Highlight der Tour. Ich kann es nicht ganz genau beschreiben warum, aber ich mag diese Stadt. Sie ist modern und weltoffen, hat aber auch ihre Geschichte und ich fühlte mich immer sicher und wohl.

Es gibt architektonische Highlights wie die Markthalle oder die Kubushäuser, den riesigen Hafen, den Euromast mit seinem tollen Rundumblick und natürlich die für Holland so bekannten Windmühlen. Die Radtour durch die Stadt war super leicht zu fahren, denn Berge sucht man dort vergebens, die höchsten Erhebungen waren die Brücken. Wie gesagt ich mag die Stadt, auch Delft ist einen Besuch wert, dort wo das handbemalte Delfter Keramik hergestellt wird, findet man das ein oder andere Souvenir. Und natürlich lohnt sich ein Besuch in der Hauptstadt Amsterdam, welcher für mich aus einer etwas anderen Perspektive stattfand, bei einer Grachtenfahrt sah man die Stadt am Abend erwachen. Aber zurück zu Rotterdam, dort lagen wir nämlich nicht nur einen Tag lang für ein paar Stunden, sonder Overnight (also über Nacht, es ging nächsten Morgen um 7 Uhr erst wieder weiter). Das hieß für uns Crewmitgleider die Möglichkeit am Abend raus zu gehen und die Freizeit abseits vom Schiff zu genießen. Dies nutzten wir natürlich um Besorgungen zu machen, essen zu gehen und vielleicht das ein oder andere Mal auch zu feiern und zu tanzen. Die Nächte danach waren kurz, aber es lohnte sich, denn man konnte für eine Zeit lang das Schiff hinter sich lassen und mehr oder weniger unerkannt sein (die Gäste, aber auch Kollegen sind überall ;) ).


Eine witzige Geschichte, welche mir dort weiderfahren ist, möchte ich noch mit euch teilen. Bei einem der vielen Anläufe, lagen wir gemeinsam mit einem weiteren Schwesternschiff zusammen im Hafen. (So etwas ist immer etwas besonders für uns, denn meistens kennt man Kollegen von den anderen Schiffen und trifft sich nach längerer Zeit mal wieder.)

An diesem Tag sollte ich die Stadtrundfahre begleiten, also leider kein Fahrrad fahren für mich. Da wir nun zwei Schiffe waren, welche denselben Ausflug im Programm hatten, mit dem gleichen Namen zu einer ähnlichen Zeit, aber unterschiedliche Busse, achteten wir genau darauf die richtigen Passagiere mit auf Ausflug zu nehmen. Ich sammelte die Tickets für meinen Bus ein und als es an der Zeit war, zählte ich diese noch einmal nach, aber irgendwie hatte ich ein Ticket zu viel in der Hand. Ich sagte dem Reiseleiter, dass mehr Leute da wären als ursprünglich geplant und ich das Erst mal gern noch klären würde. Als ging ich zu unserer Tourmanagerin und fragte nach, ob es noch eine Nachbuchung geben würde, sie schaute kurz nach und verneinte dies. Das hieß für mich alle Ticktes noch ein drittes Mal nachgucken, ob nicht vielleicht jemand in den falschen Bus eingestiegen ist und eigentlich einen anderen Ausflug gebucht hatte. Doch da fiel mir auch schon auf, dass sich trotz unserer Bemühungen die Gäste getrennt zu halten, ein Gast vom anderen Schiff in meine Gruppe gemischt hatte. Gerade als ich zum Bus zurück wollte, um die Sache aufzuklären sah ich, wie dieser vom Geländer fuhr, mit einem Gast zu viel und ohne mich.. Ich teilte das der Agentur mit, die daraufhin im Bus anrief um das ganze aufzuklären, doch statt dem Bus, in welchen ich dann einstiegen sollte, kam nur der Passagier, welcher im falschen Bus saß zurück zu uns. Nachdem ich den Gast zum richtigen Bus begleitete, sprach ich mit meiner Managerin, da ja mein Bus immer noch ohne mich unterwegs war (dort nur halb so schlimm, da der Reiseleiter deutsch konnte und ich somit nur als Begleitung mitgefahren wäre). Dieses ganze Chaos bekam natürlich auch der Manager des andern Schiffes mit und bat mir an, seinen Bus für diesen Ausflug zu begleiten, da dort keiner weiter geplant war. Gesagt, getan. Ich stieg in den Bus ein und machte die für mich bisher merkwürdigste Ansprache: „Guten Morgen liebe Gäste. Mein Name ist Steffi und sie werden mich nicht kenne, denn ich arbeite zwar für dieselbe Rederei, aber auf dem anderen Schiff. Leider ist mein Bus heute ohne mich los gefahren, aber mir wurde angeboten Sie auf der Stadtrundfahrt durch Rotterdam zu begleiten. Ich wünsche uns allen einen schönen Tag und stehe Ihnen jederzeit für Fragen und Hilfe zur Verfügung.“ Gelächter war zu hören und ein Gast sagte auch, dass ich sehr gern mitkommen dürfte. Somit saß ich in einem Bus in Rotterdam mit Gästen die ich nicht kannte, welche mich aber dennoch herzlich aufnahmen und hatte einen schönen Ausflug, welchen ich wahrscheinlich nie vergessen werde.


In diesem Sinne.

Bis bald - Steffi

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