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  • Stefanie Franke

Kreuzfahrtneuling

An das Gefühl, wenn man zum erstem Mal ein Kreuzfahrtschiff betritt kann ich mich tatsächlich nicht ganz genau erinnern. Damals war ich noch ein Kind und wir haben Familienurlaub auf einem italienischen Kreuzfahrtschiff gemacht. Ich weiß nur, dass ich es zu dieser Zeit schon beeindruckend fand und habe mich auf diesem schwimmenden Hotel sehr wohl gefühlt.


Als ich dann vor zwei Jahren das erste Mal einen Fuß als Crewmitglied auf ein Kreuzfahrtschiff gesetzt habe, hat es sich sehr unwirklich angefühlt. Ich stieg in Warnemünde auf, meine beste Freundin brachte mich zum Terminal und ich meldete mich erst einmal bei der Security. Dann nahm das ganze organisatorische seinen Lauf. Nachdem ich meine Kabine bezogen, Arbeitsunform erhalten und erste Leute aus meinem Team kennengelernt habe, erfolgte die Einweisung in meine Sicherheitsaufgabe, bevor es das erste Mal hieß, Leinen los und volle Kraft voraus. Das erste Auslaufen schaute ich mir vom Crewdeck, am Bug des Schiffes aus an. Als das Nebelhorn ertönte, bekam ich Gänsehaut und das Gefühl der Freiheit kam in mir auf, das hat sich bis heute nicht geändert. Ich startete also in ein neues Abenteuer, ohne genau zu wissen, was auf mich zukommt.


Meine erste Route ging durch die Ostsee. Ich finde diese Route ist perfekt für Kreuzfahrtneulinge, egal ob als Gast oder als Crew. Man besucht 4 wundervolle Häfen in einer Woche, der erste und der letzte Tag sind jeweils Seetage, also gut um in die Reise entspannt zu starten und sie auch wieder ruhig auklingen zu lassen. In den Häfen ist es unkompliziert an Land zu gehen, Ausnahme St. Petersburg in Russland, der Wellengang ist kaum vorhanden und zu guter Letzt ist es für uns Bikingguides sehr entspannt, da die Strecken flach und die Touren eher City-Sightseeing-Touren mit dem Fahrrad sind.


Ich erinnere mich noch genau an jede Fahrradtour meiner ersten Reise. Gestartet haben wir in Tallinn, Estland. Ich war nie zuvor in diesem wundervollen Land und auch habe ich mich bis zu diesem Zeitpunkt nie mit der Geschichte und den Sehenswürdigkeiten auseinander gesetzt. Umso überraschter war ich, als ich gesehen habe, was diese niedliche Stadt alles zu bieten hat. Natürlich fuhr ich an diesem Tag erst einmal nur als Schlussfrau mit, um überhaupt den Ablauf einer solchen Tour kennenzulernen. An den unterschiedlichen Stopps machte ich natürlich unzählige Fotos, und so langsam kam ich mir wie einer der Gäste vor. Aber ich bekam auch da schon Tipps und Tricks von meinem Kollegen und mir wurde so langsam bewusst auf was ich mich da eingelassen habe.

Der nächste Hafen war dann St. Petersburg in Russland. Vor vielen Jahren war ich dort schon einmal und hatte somit eine grobe Vorstellung von der Stadt. Doch leider kam ich an diesem Tag nur bis an das Terminal, aber auch das war kein Problem für mich, denn auch solche Dinge gehören zum Job dazu. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es sogar etwas Gutes hatte, denn beim gemeinsamen Guiding der Gäste zum Terminal lernte ich unsere Reiseberaterin an Bord kennen. Wir verstanden uns sehr gut und sie wurde zu meiner Bezugsperson an Bord, so jemand ist Goldwert! In Russland ist es so, dass Wir als Bikingguides die Touren nicht selber leiten dürfen, sondern einene lokalen Guide benötigen, der dies anstelle von uns macht. Somit fuhren zwei meiner Kollegen zum absichern der Gruppe auf der Tour mit und wir anderen hatten bei den nächsten Anläufen die Möglichkeit dieses Erlebnis ebenfalls zu teilen.

Der nächste Halt war dann Helsinki. Die finnische Hauptstadt zeigte sich an diesem Tag nicht von ihrer besten Seite, denn es regnete ununterbrochen. Da dies ein zu hohes Sicherheitsrisiko für die Gäste auf den Rädern bedeutete, wurde die Tour leider abgesagt. Dies hießt für uns Guides aber nicht frei, sondern wir fuhren trotzdem los, damit ich und meiner Kollege, der die Tour vorher auch noch nicht gefahren ist, sie kennenlernen konnten. Man sagt ja immer, es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung und getreu diesem Motto erkundeten wir die Stadt und die umliegenden Inseln. In den folgenden Wochen, spürten wir des Öfteren das unberechenbare Wetter des Herbstes in der Ostsee, aber man kann es nicht beeinflussen und muss es nehmen wie es kommt. Dabei hatte ich aber auch eine der unterhaltsamsten Radtouren, im Nebel durch Helsinki und Umgebung, dies war etwas Besonderes und hat der Stimmung in der Gruppe keinerlei Abbruch getan.

Als letzten Hafen auf der Route steuerten wir Stockholm, die Hauptstadt von Schweden, an. Schon alleine das dahingleiten durch die Schären bis nach Stockholm ist wundervoll und wenn man dann in der Stadt angekommen ist, wird dieses Gefühl auch weiterhin erhalten. Ich mag die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt und ihre Geschichte. Der Aufenthalt im Vasa-Museum, nein es geht nicht um Knäckebrot, ist sehr beeindruckend. Die Vasa war ein Kriegsschiff, welches 1628 bei seiner Jungfernfahrt nach nur 1300m gesunken ist und 333 Jahre später geborgen wurde. Es ist noch zu 90% original erhalten, da es durch den Schlick konserviert wurde und eine Besichtigung dieses schönen Schiffes ist für jeden ein Muss. Natürlich darf man auch hier nicht vergessen, dass es in der Altstadt Stockholms die besten Zimtschnecken gibt, die ich bisher gegessen habe. Natürlich verkostete ich diese auch direkt bei meiner ersten Tour dort gemeinsam mit meinen Kollegen.


Wie gesagt, die Ostsee bietet viele Vorteile, natürlich ist es kein Gebiet, in welchem man sich in jedem Hafen an den Strand legt und die Sonne genießt, obwohl man das natürlich auch machen könnte. Aber es ist sehr schön um erste Eindrücke der tollen Städte zu sammel und zu gucken, ob denn eine Reise mit einem Schiff etwas für einen ist, da auch die Anreise zum Schiff eher kurz ist. Für mich war es der perfekte Start in meine Zeit als Crewmitglied auf einem Schiff und ich habe diese Route auch in dem Jahr danach sehr gern gemacht und würde sie auch jetzt jederzeit wieder mit Freude fahren.


Viel Spaß und bis Bald!


Steffi

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