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  • Tom Kareto

Gold? Silber? Uniform?

Aktualisiert: Juni 15


Eine der meist gestellten Fragen an Bord ist: Warum haben manche Crewmitglieder goldene, andere silberne Streifen auf den Schultern und wieder andere gar keine?


Die Antwort ist ganz einfach: Alle Verantwortlichen die was mit Nautik und Maschine zu tun haben tragen gold (zurecht, sonst könnten wir nicht fahren :) )

Im gesamten Hotelbetrieb wird Silber getragen - sieht aber auch besser aus wenn wir ehrlich sind. Das hat was von Eleganz, Gold kann jeder :)


Mit einem Unterschied: Es gibt auf dem ganzen Schiff nur ein einziges Mal 4 goldene Streifen - die gehören dem Kapitän. Silber kann das leider nicht bieten, aber es reicht ja auch wenn einer die Gesamtverantwortung hat.

Ohne jetzt zu sehr in die Hierarchie einzugehen, es gibt sooo viele verschiedene Positionen auf dem Schiff, mit jeweils unterschiedlichen Verantwortungsbereichen. Dementsprechend werden die Streifen vergeben. 3,5 , 3, 2,5, 2, 1,5, 1 Streifenträger zählen alle zu den Offizieren. Irgendwo zeichnen sie für irgendetwas verantwortlich. Je mehr Streifen umso höher der Verantwortungsbereich. Aber auch mehr Vorteile wie z.B. eine größere Kabine, ein paar mehr Freiheiten an Bord usw.. Nicht zu unterschätzen-viel weniger Zeit als ein reguläres Crewmitglied. Und natürlich: Viel mehr Pflichten.

Zu meiner DJ Zeit war ich doppelt so viel an Land wie heutzutage. Wie in einem anderen Beitrag schon geschrieben, geht das zwar jetzt auch noch, es ist aber weitaus komplizierter.


Uniform...

...oder auch Teambekleidung ist anziehend. Im wahrsten Sinne des Wortes. Manchmal sind die Dinger so schlecht geschnitten (Nein, es liegt nicht daran, dass ich so unförmig bin!!) und man muss dennoch den ganzen Arbeitstag darin rumlaufen. Was jetzt wie eine Beschwerde klingt, soll keine sein. Immerhin spart die Uniform auch das Mitschleppen von 1000 Kilo Privatgepäck zu Beginn des Vertrages.

Fun Fact zum Thema anziehend: Total irre, sobald man in der Uniform oder der Teamkleidung im öffentlichen Bereich herumläuft, wird man angesprochen. Selten das mal keine Frage kommt. Nicht falsch verstehen, wir beantworten das alles gerne. Auch wenn es um Dinge geht, die wir gar nicht beantworten können, wie zum Beispiel: Haben Sie meinen Mann gesehen? Der wollte nur kurz was trinken. Können Sie den ausrufen lassen?


Apropos: Haben Sie meinen Mann gesehen. Eine Reise werde ich mein Lebtag nicht vergessen. Wir lagen in Dover, das Wetter war für englische Verhältnisse recht gut. Viele Gäste sind mit Ausflügen von der Reederei zu Stonehenge oder nach London gefahren, es gab aber auch mal wieder einige Individualausflügler. So heißen diejenigen, die auf eigene Faust rausgehen und beim Zuspätkommen die Konsequenzen selbst tragen dürfen.

Kurz eingefügt: Sicherheit kostet Geld, auch bei Ausflügen. Natürlich sind die dann auch teurer, da Versicherungen bezahlt werden müssen, die im Falle einer Busverspätung dann das finanzielle deckeln müssen. So eine Stunde länger im Hafen liegen, geht schnell mal in die 1000e Euro.

Unter diesen Individualisten war auch ein älteres Ehepaar. Beide Ende 60, und noch ziemlich fit. Sie ist etwas früher zurück an Bord gekommen, da es ihr zu warm war. Er wollte noch ein wenig Dover genießen. 30 Minuten vorm ablegen des Schiffes, fehlte ihr Mann aber noch. Alle Versuche ihn zu erreichen oder zu finden blieben erfolglos. Jeder von uns machte sich Gedanken, ja wir hatten sogar Sorge es sei etwas passiert. Die Frau war dagegen völlig tiefenentspannt.

Nachdem uns nur noch die Möglichkeit gegeben war, die Papiere des Mannes an die Hafenagentur zu übergeben, dass die sich weiter darum kümmern, weil wir los mussten, sagte seine Frau: Ich bleibe aber hier...

Ähm, bitte?? Ja, ich bleibe hier. Der taucht schon wieder auf. Seit 35 Jahren werde ich den nicht los, der lässt mich nicht alleine. Ich fahre mit Euch mit.

OK, das musste man erstmal sacken lassen, aber es ist ja ihre Entscheidung.


Das nächste Ziel am nächsten Tag war Le Havre. Und ob Ihr es glaubt oder nicht, wer kam da wieder an Bord? Richtig, der verlorene Ehemann. Die Reaktion seiner Frau war ganz trocken: Hab ich Euch doch gesagt....


Was war passiert? Der arme Mann ist durch Dover gelaufen und wollte mit dem Bus zurück. An dem Tag gab es jedoch weder Bus noch Bahn und auch nur sehr wenig Taxen, da Generalstreik herrschte. Aus dem Grund hat er es nicht rechtzeitig geschafft. Mit Hilfe der Hafenagentur konnte dann jedoch ein Transport nach Le Havre organisiert werden, wo er dann wohlbehalten wieder an Bord kam.


Was lernen wir daraus: Ausflüge mit der Reederei sind zwar teurer, ersparen mir aber viiiiil Geld wenn mal was schief läuft. Und wenn ich dennoch auf eigene Faust das Schiff verlasse, unbedingt Handy mitnehmen und nicht auf der Kabine liegen lassen :))


Bis später

Euer Tom

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