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  • Tom Kareto

Et es wie et es...


und hät noch immer jot jejange. Sagt der Kölner. Oder besser sagen die Kölner und Kölnerinnen um gendergerecht zu bleiben.


Viele von Euch haben sich gefragt, warum ich so lange nichts mehr geschrieben habe. Einige Nachrichten haben mich erreicht ob ich nun nichts mehr zu erzählen habe. Ganz im Gegenteil, ich habe so viel erlebt durch meine Zeit auf den Kreuzfahrtsschiffen das man auch mal Zeit benötigt, dieses überhaupt zu verarbeiten.


Kennt Ihr das? Ihr erinnert Euch an Dinge, an Erlebnisse, an Erfahrungen - es fehlt Euch aber der komplette Zeitrahmen wann und wie Ihr was erlebt habt?

Mir geht es ganz oft so.. Und ja, man könnte es jetzt auf mein Alter schieben. Könnte!

Ich vermute es liegt jedoch daran, dass man in dieser schnelllebigen Welt einfach Erlebnisse als gegeben hinnimmt und sie gar nicht mehr zu schätzen weiß. Überhaupt gegebene "Standards" als normal ansieht.


Doch wie schnell man selber in eine andere Situation gelangen kann, durch einen Unfall oder ein Ereignis was sein Leben plötzlich auf den Kopf stellt - wie eben dieses kleine Virus Namens COVID-19 - bedenkt kaum jemand. In meinem Umkreis zumindest hat so etwas niemand erwartet.

Auch mich hat dieese Situation getroffen und verändert. Zumindest hat sie meine Leben mal komplett auf den Kopf gestellt. Aber so richtig.

Zu Beginn dieser Situation im Frühjahr 2020 war ich ja noch echt positiv gestimmt, hatte Hoffnung dass sich diese Umstände bis Mitte des Jahres zum positiven verändern würden.


Ich hatte Hoffnung, dass ich meinen Job in der Kreuzfahrtbranche - verspätet - aber immerhin noch antreten könnte. Doch Entertainment ist in diesen Zeiten das schlimmste was man machen kann, zumindest wird es so kommuniziert. Mir geht es gar nicht um Sinn und Unsinn mancher Entscheidungen, Fakt ist: Es ist eine beschi.... Situation für alle in dieser Branche arbeitenden Personen.

Ich begann, meine Erinnerungen zu sortieren, hier auf der Seite Erfahrungen mitzuteilen und versuchte unschlüssigen Lesern die Kreuzfahrt als Urlaubserlebnis näher zu bringen. Mit fortschreitender Zeit und immer mehr Entscheidungen gegen den Tourismus, gegen alles was unsere Freizeit bestimmt wurde meine Laune schlechter. Dezent gesagt: richtig schlecht. Es kristallisierte sich immer mehr heraus: Das alles wird dieses Jahr definitiv nichts mehr. Weder mit einem Job auf den Schiffen und schon gar nicht an Land im Entertainment- oder Eventbereich.


Kurioserweise bin ich in der Zeit immer fauler geworden - ja, das geht :D - und habe das Interesse an so vielem verloren. Rausgehen darfst nicht, verreisen darfst nicht, Party machen darfst nicht, Freunde treffen - max. 2 aus einem anderen Haushalt. Alles doch sprichwörtlich für´n Ar***. Gut Klopapier ist das auch, dank einiger Kleingeister wird das jedoch bald schon af dem Schwarzmarkt gehandelt - trotz einer Versorgungsgarantie - egal, anderes Thema.


Zurück zum Thema. Lust zu schreiben und über wunderbare Erlebnisse zu berichten hat mich in der Situation nahezu aggressiv gemacht. Ganz spooky, mein Kopf erinnerte sich gerne, darüber jedoch zu schreiben: No Way!! Nicht einmal zwei Zeilen schaffte ich ohne mich über die aktuelle Situation aufzuregen. Gut, die Unterhaltungsbranche trifft es zur Zeit richtig hart. Die angebotenen Lösungen seitens der Politik sind in großen Teilen "weltfremd" und nicht bis ins Detail bedacht. Daran kann man jedoch leider nichts ändern. Deutschland Deine Regeln. Danach wird verfahren und fertig. In der Theorie ist mir bewusst, dass jegliche Aufregung alles andere als zielführend ist, doch durch eben diese Aufregung kommt man auch zu neuen Ideen. Und glaubt mir, die waren zwingend nötig - denn 6 Monate Berufsverbot ohne nennenswerten Einnahmen überstehen die wenigsten.


Von der Planung Anfang des Jahres ist nichts, aber auch wirklich gar nichts mehr übrig geblieben. Was hatte ich mir das schön vorgestellt, wieder fix in Deutschland zu leben, im Eventbereich für ein Kreuzfahrtunternehmen zu arbeiten und einfach ein interessantes Leben zu führen.

Was war stattdessen? Ich lag (Verantwortungsvoll!!) zu Hause auf der Couch rum (früher nannte man das Couch Potatoe, heute ist man verantwortungsvoller, vorbildlicher Erwachsener!) und nichts ging weiter. Anderen Job suchen! Ah, gute Idee, wenn man nach gefühlt 1000 Bewerbungen in vielen Fällen zu hören bekommt: Wir würden Sie ja nehmen, dürfen jedoch gerade nur auf Schlüsselpositionen einstellen, da unsere Firma bis Ende 2020 in Kurzarbeit ist. Es war unfassbar. Selbst Kontakte - und davon habe ich Gott sei Dank einige - halfen nicht, meist hatten die ähnliche Probleme..


Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich vorm Rechner im wunderschönen Österreich, schaue raus auf die Berge mit schneeweißen Gipfeln und denke: Es hat alles so sein sollen. Jetzt musst Du halt von vorne beginnen. An einem anderen Ort als geplant, in einem anderen Job als geplant, mit anderen Perspektiven als geplant und mit anderen Möglichkeiten als geplant. Seit vier Wochen bin ich nun hier und ich habe das erste Mal seit langer Zeit wieder lust zu schreiben. Es kann also nur bergauf gehen. Und das wird es.

Irgendwann wird mein größtes Problem hier wieder sein: Wo bekomme ich eine vernünftige Currywurst her ??

Et hät noch immer jot jejange.. bestimmt auch dieses Mal..ganz sicher..


Schöne Grüße


Tom

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