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  • Stefanie Franke

Die 3. im Bunde




Erst einmal vielen Dank lieber Tom, dass auch ich meine Erlebnisse aus den letzten 1,5 Jahren auf See hier teilen darf. Bevor es dazu kommt möchte ich mich natürlich auch kurz vorstellen.

Ich bin Steffi und als Outdoor Guide hauptsächlich für die aktiven Ausflüge an Land zuständig. Das heißt mich trifft man meistens gut gelaunt auf dem Fahrrad an, aber natürlich helfe ich in meinem Team, dem Shore Excursion Team, auch gern überall aus, wo Not am Mann ist. Eigentlich wollte ich nach meinem Studium 2018 "nur einen Vertrag" fahren. Einmal raus aus dem Alltag, etwas neues Erleben, neue Menschen und Kulturen kennenlernen und nebenbei noch etwas Geld verdienen schien mir perfekt. Doch dann hat auch mich der berühmte Kreuzfahrt-Virus befallen und nun wurde aus einem Vertrag gleich drei wundervolle Verträge, bei denen ich eine Menge gesehen und erlebt habe. Auch wenn ich jetzt eine Pause vom Schiffslebene mache, denke ich wird der Virus nicht verschwinden und man soll niemals nie sagen. ;)



Eine der mir und meinen Kollegen am häufigsten gestellten Fragen ist: "Und ihr habt nach der Tour dann Feierabend, oder was macht ihr sonst noch so?" Klare Antwort - Nein. Ein "normaler" (es gibt auf Schiffen kein normal) Landtag beginnt für uns meist eine Stunde vor dem Anlegen, die richtigen Räder müssen vorbereitet und gecheckt werden, alle notwendigen Sachen gepackt und die Touren verteilt werden. Wenn das Schiff dann anlegt, sind wir mit die Ersten, die an Land gehen, die Räder schön aufstellen und meist bleibt danach noch einmal kurz Zeit um sich seine Getränke einzupacken, Sonnencreme aufzutragen oder die vergessene Sonnenbrille aus der Kabine zu holen, bevor wir dann auf die Gäste warten. Dann folgt der beste Teil meines Jobs, die Radtour durch die schönsten Destinationen der Welt mit gut gelaunten Gästen und meistens der einen oder anderen Überraschung. Auf den Touren sind wir der Reiseleiter, Entertainer, Navigator, Erst-Helfer, Mechaniker und so vieles mehr. Aber gerade die Abwechslung ist das, was mir jedes Mal wieder Spaß macht und den meisten Gästen einen einzigartigen Ausflug beschert. Nach der Tour müssen die Räder natürlich auch wieder auf das Schiff zurück. Dabei spielt eine Rolle, wie der Hafen beschaffen ist, ob wir auf Reede liegen oder an einer Pier, und ob es Ebbe und Flut gibt. Je nachdem kann das Prozedere mit den Fahrrad Be- und entladen schnell über die Bühne gehen oder auch mal Stunden dauern, zum Beispiel wenn man mit dem letzten Tenderboot zum Schiff fährt. Danach haben wir meist eine kurze Pause, zum Duschen und essen, bevor es dann an Bord weiter geht. Die Schalter müssen besetzt werden, auch müssen Räder, die auf Tour Defekte bekommen haben, repariert werden oder wir helfen den Scouts bei ihren Aufgaben. Natürlich helfen wir nicht nur in unserem Department, man kann uns auch vor den Restaurants oder auf dem Pooldeck bei den Handtüchern antreffen. Wie ihr seht, sind die Landtage für uns immer vollgepackt mit Aufgaben, wenn man aber die Hälfte davon nicht als Arbeit sieht, sondern als Ausflug mit Freunden und die Zeit genießt, dann ist der Rest auch kein Problem.



"Und an den Seetagen, da habt ihr dann frei, oder?" Auch hier wieder, leider nein. Wenn wir auf See sind, haben wir Zeit, die Räder zu warten. Bei knapp 80 Rädern (auf den meisten Schiffe, es können aber auch mehr oder weniger sein), die jeden Monat einmal komplett kontrolliert werden müssen braucht man auch etwas Zeit. Je nach Wetter müssen sie natürlich auch des Öfteren geputzt werden oder es stehen Reparaturen an. Ansonsten sind wir natürlich auch am Schalter präsent, bereiten uns auf die Touren und die einzelnen Destinationen vor (wir sind ja auch Reiseleiter) oder helfen wieder wo wir können. Natürlich haben wir es an den Seetagen nicht so stressig wie unsere Kollegen an der Bar oder im Entertainment und können auch mal unsere Mittagspause bei schönem Wetter auf dem Crew-Sonnendeck verbringen oder einen Mittagschlaf machen, jeder brauch mal eine Pause.



Ihr seht, auf einem Schiff gibt es immer was zu tun und in meinem Department hängen die Arbeitszeiten von den Liegezeiten ab, daher ändern sie sich von Tag zu Tag und von Reise zu Reise. Da ist Spontanität und Improvisationstalent gefragt, das sollte man eh auf jeden Fall mitbringen, wenn man auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten möchte. Und nach 6 Monaten unterwegs auf den Weltmeeren, so lange geht meist unser erster Vertrag, freut man sich dann auf die Zeit zu Hause bei Freunden und Famlie, bis die Sensucht nach dem Meer und dem Unvorherrsehbaren wieder wächst und man schneller über die Gangway geht als man dachte.


Ich hoffe ihr habt Spaß beim lesen der


Beiträge!


Bis demnächst


Eure Steffi


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