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  • Hanna Veers

Der Letzte Tag an Bord

Aktualisiert: Juli 11


Nach 6 mehr oder weniger langen Monaten an Bord ist es nun endlich Zeit nach Hause zu fahren, Freunde und die Familie wieder in die Arme zu schließen und die Füsse für ein paar Tage hoch zu legen.

Ich glaube ich darf für alle Seefahrer sprechen, dass dies immer mit einem weinenden und ein lachendem Auge geschieht, denn die Kollegen an Bord sind ja auch zur Familie geworden. In meinem Fall, fand ich die ersten zwei Wochen immer sehr spannend: man steigt endlich wieder auf, sieht Kollegen wieder mit denen man schon gefahren ist (je länger man fährt, desto mehr Leute kennt man natürlich), dann holt einen der Alltag ein. Arbeit, Crew Bar, schlafen, arbeit, von Bord gehen, arbeit, Drill, Nickerchen, usw. Zur Halbzeit des Vertrages ist man durch und durch durch und will nur noch schlafen oder sogar nach Hause, wenn gerade die Hälfte der Kollegen gewechselt hat und in der Bar gerade so gar nichts richtig lauft, weil alle neu sind und gefühlt zwei linke Hände haben. Und wenn die Freunde absteigen, mit denen man sich so richtig schön über nervige Gäste (ja, die gibt es leider) hat auslassen können. Aber auch das geht vorbei und die letzten 6 Wochen fliegen wieder nur so dahin und dann kommt endlich der grosse Tag an dem man seine Koffer greift und sich von allen verabschiedet.

Hin und wieder, je nachdem wie gut man mit seinem Team ausgekommen ist, bekommt man auch einen (un) schönen Abschiedsgruss. Am letzten Abend meines ersten Vertrages durfte ich früher Feierabend machen, damit ich in Ruhe packen und später die Kollegen in der Crewbar zu einem letzten Umtrunk treffen konnte. Bevor ich aber die Chance hatte das Pooldeck zu verlassen, wurde ich von meinem Manager super grummelig in die Pantry der Poolbar zitiert (der sollte Schauspieler werden)...Ich betrat also nichts- ahnend die Pantry und kaum dass die Tür zu ist bekomme ich einen Eimer Wasser über'n Kopf, aber nicht nur Wasser. Die Kollegen haben liebevoll den ganzen Abend über Cocktail Reste gesammelt und noch etwas extra Sahne dazu gerührt...das war's aber nicht. Nein...ich wurde von einem Kollegen gepackt, über die Schulter geworfen, quer über das (leere) Pooldeck getragen und zum Vergnügen aller in den Pool geworfen. Ich muss dazu sagen, dass das Ende im Pool eine absolute Ausnahme war, normalerweise hat die Crew im Gästepool nix zu suchen, die haben ihren eigenen - mit Ausblick ganz vorne am Bug. Ihr glaubt nicht, wie neidisch die Gäste auf unsere Pfütze sind 😄

Wenn ich so über meine Zeit an Bord nachdenke muss ich sagen, dass der erste Vertrag der Beste war. Allerdings, wie schon in anderen Beitragen erwähnt, liebt man entweder die neuen grossen Schiffe oder die etwas kleineren älteren Damen. Und ich bekenne mich schuldig zum "kleinen, aber feinem Mutterschiff" der Flotte.


In diesem Sinne, habt einen schönen Freitag und tut nichts, was ich nicht auch tun würde 🤭

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