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  • Tom Kareto

Auf geht's nach Österreich...

Aktualisiert: Juni 20


copyright by Salzburger Nachrichten vom 12.06.2020

...zumindest hier im Blog. Da Steffi heute schon über die Kreuzfahrt geschrieben hat, nutze ich die Chance im heutigen Beitrag einen kleinen Abstecher nach Österreich zu machen.

Ich mag Österreich. Die Gastfreundschaft, die Natur, die Berge...gut, es fehlt definitiv das Meer, da können die armen Österreicher aber nunmal leider auf Grund der geographischen Lage nichts für. Dafür haben sie im Winter Schnee. Teils sehr viel Schnee. Das ist auch gut so, denn dieser Schnee zieht wie das Meer die Kreuzfahrer, die Skifahrer an. Die Österreicher haben ziemlich schnell gemerkt, dass man damit gut verdienen kann und sich dementsprechend darauf eingestellt. Es ist nicht selten, das es ein 2000 Einwohner Dörfchen auf fast 20.000 Hotelbetten bringen kann solange dieser Ort an einer Skipiste liegt. Wenn Du zu den glücklichen gehörst, denen ein Meter Land der Skipiste gehört - hast Du quasi ausgesorgt.

Den Skifahrern soll natürlich auch außerhalb der Piste was geboten werden, also hat jeder Ort seine Apres-Ski Hochburgen. Ein gepflegter Apres Ski und Abendunterhaltung gehören zu so einem Urlaub auch dazu, wenn wir ehrlich sind. Das eröffnete auch mir die Chancen nach Österreich zu gehen, da dort Djs gesucht wurden.


Wie oben schon erwähnt, die Gastfreundschaft in dem Land ist beispiellos. Vor meiner Zeit in Österreich habe ich immer gesagt, das kleine Land ist die beste Raststätte auf dem Weg nach Italien. :) Jetzt sind Tourist und Mitarbeiter aber zwei völlig unterschiedliche Schuhe. Die Gäste erwarten in Österreich 100% österreichischen Lifestyle, den sie erleben wollen. Und die "Einheimischen" legen verständlicherweise Wert darauf, das man sich integriert in die Art und Weise wie sie leben. Das fängt an bei ganz banalen Dingen. Du findest in GANZ Österreich nicht eine vernünftige Currywurst. Warum auch? Wir haben doch Leberkassemmel mit Kren und Senf ist die Antwort.


Österreichisch...

...sollte in jeder Schule in Deutschland unterrichtet werden. Die armen Kinder, die irgendwann einmal nach Österreich gehen - oder umgekehrt von Österreich nach Deutschland- müssen eine komplett neue Sprache lernen. Lustigerweise redet fast jeder Österreicher mit Gästen hochdeutsch, kaum arbeitest dort, bist verdonnert österreichisch zu verstehen. Aber wehe Du sagst mal was im Dialekt oder versuchst es zumindest. Da outen sie dich sofort. "Da Deitsche" "Ha, da Piefke" Egal wie lange Du da unten bist, das deutsche kannst halt nicht verstecken. Denn wir haben Grammatikregeln und beherrschen diese auch. Warum sollten wir jetzt darauf verzichten? :))


"I hob eingeschlofn" (Ich habe eingeschlafen) ist für jeden Deutschfanatiker wie mich ein Schlag ins Gesicht. Natürlich muss ich da verbessern. Das machte es anfangs nicht immer leicht und den Titel des "deutschen Grammatikprofessors" trug ich mehrere Jahre. Ernsthaft Leute, Integration hin oder her - so kann ich einfach nicht reden, weil es mir beim aussprechen weh tut das so zu sagen. :)))


Die Gastronomie...

...ist in großen Teilen der deutschen Gastronomielandschaft um Welten voraus. Angefangen bei der Schanktechnik bis hin zu vernünftigen Löhnen. Klar, im Apres-Ski noch einmal deutlich mehr als in normalen Restaurants, aber alles in allem rate ich jedem Gastro-Mitarbeiter einmal nach Österreich zu gehen. Denn das ist die härteste Schule, die man bekommen kann. Danach kann einen in der Gastro nichts mehr erschüttern. Mir geht es heute noch so, wenn ich in Deutschland bspw. essen gehe, dass mir die Null-Bock Einstellung vom Kellner auffällt, nichts mit Liebe gemacht wird und man die niedrigen Löhne beim Service und teils bei der Qualität der Speisen merkt. Es gibt einige Betriebe in Deutschland, die auf österreichische Küche machen und den Kaiserschmarren aus der Tüte verkaufen. Zum Preis wie er in Österreich angeboten wird. An Frechheit eigentlich kaum noch zu überbieten.


Apropos Preise...

...der Apres-Ski ist teuer. Manchmal sogar übertrieben teuer. Aber das ist dort egal. Es wird gefeiert und da zählt kein Geld. Und wo Geld im Spiel ist, ist der Neid umso größer. Und zwar bei den Mitbewerbern. Jetzt muss man wissen, die meisten Gastronomen in Österreich waren früher Landwirte und haben ihre Schäfchen abends ins trockene gebracht, heute füllen sie ihre "Tourischäfchen" ab. Je mehr desto besser. Solche Kassenbons wie hier im Beitrag abgebildet sind Musik in den Ohren der meisten Wirte, denn im Skiurlaub haben die Wirte des Ortes die Generalvollmacht über Deine Geldbörse. Meist gehört eh alles zusammen. der Ort wo Du übernachtest gehört dem Sohn, die Bar wo Du feiern gehst gehört dem Vater, im Restaurant wo Du essen gehst hat die Tante das sagen, das Taxi was Dich nach Hause fährt managed der Cousin und alle zusammen sind sie die Liftgesellschaft die Euch auf den Berg bringt.

In Deutschland kaum vorstellbar, in Österreich gang und gäbe. Richtige Clans.

Jetzt hast Du pro Ort 2 oder 3 solcher Familien. Ihr glaubt gar nicht was da alles für Storys über den anderen erzählt werden und man gönnt sich untereinander nicht die Butter auf dem Brot.

Mit dieser Art von Unternehmen musste ich mich auch erst zurechtfinden. So kannte ich das nicht. Und ich habe schmerzlich gelernt, dass es ein absolutes NoGo ist, beim Mitbewerber 4 Orte weiter auch mal aufzulegen.


Inzwischen wurde ich von den Österreichern Gott sei Dank akzeptiert. Auch wenn ich weiterhin hochdeutsch rede. Die Piefke-Sprüche überhöre ich gerne. Wenn ich teils jemand neues kennenlerne, kann ich mir aber sicher sein: Der zweite Satz ist: "Bist Du deitscha?" :)

Immerhin hat er es erst beim zweiten Satz gemerkt :))

Ja, das bin ich, aber die andere Hälfte von mir gehört immer noch Österreich. Ich mag die "Schluchtenscheißer" einfach und ich arbeite sehr gerne dort. Denn diese Art von Familienunternehmen gibt es sonst nirgends auf der Welt. Man kämpft und gewinnt zusammen. Alles für den Gast. Und das schaffen sie alle. Weiter so :)


Bis zum Winter vielleicht - je nachdem was Corona noch so alles anstellt. Da es auch die Österreichische Branche hart getroffen hat - alles gute und viel Durchhaltekraft an Euch.


In diesem Sinne - Bis morgen.


Euer Tom



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